Die Anfänge
DIE KATHOLISCHE PFARRGEMEINDE
Kann man die Anfänge des Ortes Sandhausen (erste urkundliche Erwähnung 1262) nur erschließen, so ist es mit den Anfängen der Pfarrei Sandhausen noch viel schwieriger. Die erste Urkunde stammt von 1359/1360. Dennoch kann man mit aller Zurückhaltung und Vorsicht Einiges über die Pfarrei und Kirche sagen.
Sandhausen gehörte mit Unterbrechung durch die Reformation bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Diözese Worms. Sie war im Mittelalter die kleinste und ärmste Diözese des Reiches und erstreckte sich etwa 150 km von Landstuhl westlich von Kaiserslautern über Worms, Weinheim, Heidelberg, Waibstadt bis ungefähr nach Bad Wimpfen in einem schmalen, 10 bis 30 km breiten Streifen. Südlich von Walldorf fing schon das Bistum Speyer an. Die Größe betrug etwa 3300 Quadratkilometer.
Eingeteilt war die Diözese in vier Archidiakonate und zehn Dekanate. Sandhausen gehörte zum Archidiakonat St. Cyriakus in Neuhausen bei Worms und zum Dekanat Heidelberg. Der Diözesanpatron und Patron der Wormser Domkirche war der Heilige Petrus. Wie wir aus einer späteren Urkunde wissen, war die Kirche in Sandhausen ebenfalls dem hl. Petrus geweiht. Alle alten Peterskirchen, wie die in Kirchheim und Walldorf, gehen wahrscheinlich auf direkte Wormser Gründung zurück. Vermutlich war die 1208 abgerissene Lochheimer Kirche auch eine Peterskirche und die Vorgängerin der Kirche in Sandhausen. Das Dorf Lochheim wird 1131 erstmals urkundlich erwähnt. Es lag südwestlich von Bruchhausen. 1196 wurden zwei Drittel des Ortes mit allem Zubehör an das Kloster Schönau verkauft, das damit sein Hofgut Bruchhausen vergrößern wollte. 1198 verkaufte auch der Wormser Bischof seinen Teil samt Kirche und erlaubte 1208 den Abbruch der Lochheimer Kirche; der Ort war nicht mehr bewohnt, also brauchte man auch keine Kirche mehr. M. Schaab vermutet in seinem Buch über die Zisterzienserabtei Schönau, daß höchstwahrscheinlich Sandhausen die Tradition der Lochheimer Pfarrei fortführte.
Die Sandhäuser Peterskirche lag im Zentrum des Dorfes und stand bis 1756, als sie einem Neubau (der jetzigen alten Synagoge) Platz machen mußte. In der Festschrift »700 Jahre Sandhausen« schreibt R. Bitschene: »Bei der Renovierung des jetzigen Gebäudes 1961 wurden die Fundamente des ursprünglichen Kirchleins entdeckt. Es war viel kleiner als das jetzige Gebäude und nahm nur den östlichen Teil des Schiffes ein, zudem verlief die Achse schräg zur heutigen. Die Mauertechnik der Fundamente und die teilweise erhaltene Kirchhofmauer lassen vermuten, daß die Kirche um die Mitte des 13. Jahrhunderts errichtet worden ist.« Vielleicht stand sie schon, als am 24. Mai 1351 Philipp von Bolanden gegenüber den Pfalzgrafen auf seine Rechte in Sandhausen verzichtete. In einer Urkunde vom Dezember 1359 oder 1360 (67/805) können wir nachlesen, wie Pfalzgraf Ruprecht I., der Gründer der Universität Heidelberg, sein Patronatsrecht wahrnimmt. Er inkorporiert den Priestern Siegel Kelirhals, Capellan am St. Johannisaltar, und Hermann von Laudenburg, Capellan am St. Katharinenaltar in der Kapelle auf der Burg zu Heidelberg, die Pfarrei Sandhausen. Das heißt nicht, daß diese Hofkapläne auch Pfarrer am Ort waren. Sie bekamen die Pfründe, d. h. die Einkünfte aus der Pfarrei. Zur Ausübung der Seelsorge, also der Pflichten, die eigentlich mit der Pfründe verbunden waren, bestellten sie einen Vertreter, der am Ort wohnte und oft mit geringeren Einkünften auskommen musste. Viel ist es nicht, was uns die alten Urkunden über diese »Priester für die Leute« (in lateinischen Urkunden plebanus genannt) sagen.

