Dreifaltigkeitskirche und Gemeindezentrum ab 1968
Die Bartholomäuskirche platzte aus allen Nähten. Alles Weitere sagt uns die Kopie der Urkunde zur Grundsteinlegung. Am 27. Oktober 1968 wurde die Dreifaltigkeitskirche durch Weihbischof Karl Gnädinger eingeweiht. Vom 40 Meter hohen Turm läuteten alle 6 Glocken zu diesem großen Ereignis.
Die Kirche ist geostet (wie übrigens auch die erste Kirche in Sandhausen, St. Peter, geostet war). Das hat symbolische Bedeutung: So wie die Sonne, die uns Licht und unser irdisches Leben bringt, im Osten aufgeht, so soll uns Christus in unser Christenleben Licht und Wärme bringen. Durch ihre Raumgestaltung versucht die Kirche die Grundgedanken der Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils (1962-65) zu unterstützen: Das WORT (jetzt nicht mehr in Latein wie die Jahrhunderte zuvor, sondern in der Muttersprache) und das MAHL (der Priester jetzt bei der Meßfeier dem Volk zugewandt) wollen den Mittelpunkt deutlich machen: Jesus Christus. Darum hängt auch das Kreuz als Symbol Christi im Mittelpunkt des Chorraumes. Schon vor dem Eintreten wollen die beiden Portale an Wort und Mahl erinnern: Das linke Portal an das Wort - besonders deutlich die Symbolfiguren vom Splitter und Balken im Auge - das rechte Portal an das Mahl. Es sprengt den Rahmen dieser kurzen Chronik, all die offenen und versteckten Symbole zu nennen. Es lohnt sich, die Kirche einmal selbst in Ruhe von außen und innen zu betrachten. Der »Kleine Führer« (Kunstführer Nr. 932 Verlag Schnell & Steiner, am Schriftenstand käuflich zu erwerben) kann wertvolle Hilfe sein. (Vgl. auch die Ausführungen an anderer Stelle des Buches Seite 384 ff.)
In der Zeit zwischen Planung und Grundsteinlegung der neuen Kirche feierte die Gemeinde die Primiz von Heinz Neckermann (1965), der nach langer Zeit als Rektor des Studienheims in Rastatt inzwischen Pfarrer einer südbadischen Gemeinde ist. Wieder durch das 2. Vatikanische Konzil angeregt, kam es auch in der Mitverantwortung der Laien zu einer bedeutsamen Änderung: Nachdem bisher der Stiftungsrat dem Pfarrer in Finanzfragen zur Seite stand, gibt es seit 1969 den Pfarrgemeinderat. Er wird alle vier Jahre neu gewählt und soll den Pfarrer bei den vielfältigen pastoralen Aufgaben unterstützen. Vorsitzende waren: Heinrich Lersch (1969-73), Viktor Hermes (1973-77), Jakob Petri (1977-81), Horst Münch (1981-85), Klaus Dörr (1985-1995), Ernst-Ullrich Gudewill (1995-2005), Reinhold Lövenich (2005-2010) und Dorothe Perdun (seit 2010).
Das zweite große Projekt war der Bau eines Kindergartens. Der zweite Kindergarten im alten St. Elisabeth (inzwischen verkauft und zum Schulgebäude umgebaut) war nur eine Übergangslösung. 1971 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, und 1973 konnte das neue Gemeindezentrum mit dem neuen Kindergarten St. Elisabeth, Krankenstation, Schwesternwohnungen, Gemeindesaal, Jugendräumen und einer Kegelbahn eingeweiht werden. Wie auch bei früheren Aufgaben konnte durch die tatkräftige Mithilfe vieler Gemeindemitglieder die finanzielle Belastung günstiger gestaltet werden.
Inzwischen war seit 1972 Josef Linemann Pfarrer. Die Folgekosten bereiteten ihm und der Pfarrgemeinde oftmals große Sorgen. Es ist schon eine große soziale Aufgabe, zwei Kindergärten mit sieben Gruppen und eine Kinderkrippe (die einzige im weiten Umkreis) zu unterhalten. Die Katholikenzahl erreichte ungeahnte Größen (4733 Anfang 1983 war der bisherige Höhepunkt, inzwischen geht die Zahl leicht zurück). Scherzhaft könnte man sagen: »Wenn alle Katholiken in die Kirche gingen, gingen nicht alle Katholiken in die Kirche.«
Da man dennoch mit Hoffnung in die Zukunft sehen soll, fand 1975 unter dem Motto »Altes erhalten - Neues gestalten« ein großer Bazar statt. 1976 konnte die alte Pfarrkirche innen renoviert werden. Weil viele junge Menschen sich das Jawort fürs Leben gern in dieser Kirche geben wollen und auch die Seelenämter nach der Trauerfeier auf dem Friedhof hier gewünscht werden, wurde ein kleines Geläut angeschafft. Altabt Ohlmeyer weilte am 12. Juni 1982 zum dritten Mal zu einer Glockenweihe in Sandhausen. Die Glockeninschriften wollen an Dinge erinnern, die wir nicht vergessen sollten: Bereitet dem Herrn den Weg (Glaube) Der Herr ist meine Zuversicht (Hoffnung) Einer trage des anderen Last (Liebe) Wenn wir dies beherzigen, dann kann auch ein zukünftiger Chronist davon berichten, wie Aufgaben angepackt und Schwierigkeiten in gemeinsamen Bemühen gemeistert wurden.

