St. Bartholomäus wird gebaut 1750-1800
Wenn eine Gemeinde eine eigene Pfarrei sein will, braucht sie zuerst einmal ein Gotteshaus. Letzteres hat Sandhausen bald erreicht - und von daher ist dann auch die mangelnde Bereitschaft zu verstehen, sich für die Mutterkirche in Leimen einzusetzen - bis zur eigenständigen Pfarrei sollte es noch einmal 100 Jahre dauern. Was den Bau der Kirche angeht, so können wir aus Protokollen der Geistlichen Administration in Heidelberg vom 10. Oktober 1756 entnehmen, daß von der »Churpfaltzisch hochlöbliche Regierung« ein Generale (eine Verfügung), »welches ad Supplicam (zur Unterstützung) der Catholischen Gemeind Sandthaußen, umb Ertheilung einer Collectenpatent zu ihrem Vorhabendten neuen Kirchen Bau in alle Oberambtern Heydelberg samt Stätt erlaßen wordten, daß die geistliche Administration zu diesem nun üblichen behend gleichfalß eine ... Beysteuer thun und solche dahin Einstecken möge.« Diese genehmigte Kollekte war keine Sammlung in den Kirchen, sondern in den Rathäusern.
Weiter lesen wir, daß die geistliche Administration »zu behend dieses Catholischen Kirchenbaues zu Sandthaußen 600 fl (Gulden) und zwaren 200 fl beym anfang solchen 200 fl in der mitten des Baues, undt endtlichen 200 fi wann alles fertig, als eine Beysteuer nach der Catholischen Casse Zustand bewilliget, folglichen den ersten Terminum mit 200 fl denen unterthanen unterm heutigen Dato, zu einstweiliger anschaffung benöthigter Bau-Materialien bereits habe auszahlen laßen. Churfürstl. hochlöblicher Regierung anheim gebendt, wohin der rest Suo tempore (zu gegebener Zeit) auszuzahlen seye. « (229/91215)
Pläne oder Urkunden über den Bau selbst sind keine aufzufinden. Auch eine Freilegung des Grundsteins im März 1984 brachte leider keine näheren Auskünfte. Unser Mesner Hans Biebl fand nur mit Mörtel verbundene Sandsteinbruchstücke im hohlen Grundstein. Wir wissen auch nicht, wie die Gemeinde das weitere Geld aufbrachte. 1786 erscheint Johann Goswin Widders »Versuch einer vollständigen Geographisch- Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine«. Darin lesen wir: »Die Katholischen haben im J. 1766 eine eigne Kirche zum H. Bartholomäus aus gesammelten Allmosen erbaut, die aber nur ein Filial der Pfarrei Leimen ist, worin kein ordentlicher Gottesdienst gehalten wird.«[9] Wie wir aus einem späteren Brief wissen, war zumindest seit 1783 in regelmäßig Abständen Gottesdienst. Von der auf dem Dünenkamm errichteten Kirche heißt es noch 1802: »die hiesige Catholische Kirch ist vor dem Orth, und hat noch an der Kirch einen gemeinschaftlich Kirchhof«. (145/365)
Heute liegt die Kirche mitten im Ort. Von der jetzigen Bartholomäuskirche brauchen wir uns nur Querschiff und Turm wegdenken, dann haben wir das alte Kirchlein vor uns. Aus der Fassade schaut die Figur des Kirchenpatrons St. Bartholomäus auf uns herab. Von der alten Innenausstattung sind noch die Kanzel und der Marienaltar erhalten, der ganz ähnliche Josefsaltar wurde erst nach dem 2. Weltkrieg geschaffen. Aus der Zeit um den Kirchenbau hat auch Sandhausen, wie viele der umliegenden Gemeinden, seinen Glockenstreit.
Es geht zwar nicht um Kirchturmschlüssel oder Läuten während des Gottesdienstes der anderen Konfession, sondern um die Weihe einer Glocke. Der reformierte Pfarrer Gervinus schreibt am 2.10.1768: » Was das neu erkaufte Glöcklein angeht so hat es mit demselben nachfolgen beschaffenheit; Nachdem die alte Glocken auf der Ref': Kirch waren verlohren gegangen, so war gar keine Glock mehr in dem ort Sandhausen; daher die sämt' bürgerschaft dreyer Religionen war eins worden, eine gemeinschaftliche Glock anzukaufen, und dieselbe auf den Reformirten Kirchthurm zu hencken, damit wann etwa durch feuer oder, Wassernoth unglück entstehen mögte, man doch der ganzen bürgerschaft ein zeichen mögte geben können; welche gemeinschaftliche Glock eine zeitlang in dem Reformirten Kirchthurm gehangen war, hernach aber gesprungen ist, und auch wiederum aus gemeinen Mitteln ist umgegoßen worden; Alß aber die umgegoßene Glock in abweßenheit des Schultheißen Meixner wieder ist aufgehangen worden, welcher dieselbe zwar gern hatte wollen einweyhen laßen, so sind die gemeinds leuthe beyder Religionen deswegen in große streitigkeiten gerathen, und nachdem die sach an Hochlöblichen Reformirten Kirchen Rath war berichtet worden, so ist von Hochdemselben gerathen worden, daß die Reformirte dem streit anzuhelffen, die gemeinschaftliche Glock eigenthümlich an sich erkaufen sollten, welchen Hohen Rath die Sandhauser Reform': gemeind auch gefolget hat«. (229/91216 158).
Warum also der Streit? Der vom Kurfürsten eingesetzte katholische Schultheiß wollte, wie es für Katholiken Brauch ist, daß die neue Glocke geweiht wird. Genau das aber wollten weder Reformierte noch Lutheraner. Geschickt nutzten sie die Abwesenheit von Schultheiß Meixner und schafften vollendete Tatsachen, indem sie schnell das gemeinsame Glöcklein den Kirchturm hinaufzogen. Und schon war der Streit um die Glocke da.

